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Einführung in das Evangelium nach Markus

Das Evangelium nach Markus – lange unterschätzt

Das Evangelium nach Markus stand lange im Schatten der längeren andern drei Evangelien, vor allem des Matthäus-Evangeliums, das beim Entstehen des Viererkanons der Evangelien im 2. Jahrhundert an die erste Stelle kam; Augustinus hielt das Markus-Evangelium gar für ein Exzerpt des Matthäus-Evangeliums.

Als das Markus-Evangelium Ende des 18. Jahrhunderts und dann durch die Zwei-Quellen-Theorie seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als ältestes Evangelium erkannt und anerkannt wurde, hoffte man vor allem, mit seiner Hilfe die Rückfrage nach dem historischen Jesus vorantreiben zu können. Doch es wurde erkannt: Keines der Evangelien, auch das älteste nicht, ist eine Biografie des Lebens Jesu in unserem heutigen Sinn; der historische Jesus blickt uns aus keinem Evangelium unmittelbar an.

Evangelien sind vielmehr narrative Theologie, also erzählende Theologie, die natürlich Anhalt hat am Leben und Wirken des historischen Jesus von Nazareth. Sie sind aber durch die Brille Ostern geschrieben und die Jesus-Traditionen werden der spezifischen Aussageabsicht des Evangelisten untergeordnet bzw. weiterentwickelt, ohne die Jesus-Tradition damit zu verfälschen.

Markus hielt man lange für einen recht schlichten Sammler und Zusammensteller der alten Jesus-Traditionen, ohne dass er ein Gesamtkonzept entwickelt hätte. Dieses Bild hat sich in den letzten Jahrzehnten durch verschiedene wissenschaftliche Methoden der Erforschung dieses Evangeliums kräftig gewandelt. Markus wurde als Theologie entdeckt, der die Jesus-Tradition geschickt verarbeitet und auf einige Punkte zugespitzt hat.

Auch das Evangelium nach Markus ist – wie die anderen Evangelien – mehr als die Summe der einzelnen Erzählungen und verarbeiteten Traditionen. Markus hat die ihm zur Verfügung stehenden Traditionen mit ganz bestimmten Intentionen eingebunden und angeordnet. Dabei hat er auch – im Sinne einer Aktualisierung von Jesus her auf seine Zeit und Probleme hin – in die Tradition eingegriffen.

Die Gliederung als Schlüssel

Besonders hervorzuheben ist die durchdachte Gliederung des Markusevangeliums, die sich erst bei genauerem Hinsehen zeigt.
Markus hat sein Evangelium – bis auf einige, besondere Stellen – durchgehend konzentrisch gegliedert. Dies ist für die Interpretation der einzelnen Teile nicht unerheblich, sind doch damit bestimmte Erzählungen und Worte zueinander in Beziehung gesetzt. Wir finden konzentrische Gliederungen in der Grobstruktur, aber auch in kleineren Einheiten.
Teils überlagern auch ‚alternative‘ Gliederungen einer kleineren Einheit die Makrostruktur; das schafft zusätzliche Bezüge und damit Interpretationshinweise.

Dies alles zeigt, dass man sich zunächst mit der Gliederung des Evangeliums vertraut machen sollte.



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