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Einführung in das Evangelium nach Markus

Evangelium ... eines Sohnes eines Gottes

Zwei Beobachtungen seien zunächst festgehalten:

  1. Markus ist der einzige Evangelist, der sein Werk Evangelium nennt.
    Wiewohl Matthäus und Lukas sein Werk kannten und sogar benutzt haben, nannten sie ihre Werke anders:
    Erzählung (Lukas) bzw. Buch (Matthäus, in Anlehnung an alttestamentliche Vorbilder).
  2. Evangelium in der paulinischen Tradition ist Kurzformel für Tod und Auferstehung Jesu.
    Evangelium bei Paulus bezieht sich gerade nicht auf eine Erzählung das irdische Leben Jesu betreffend - das spielt bei Paulus insgesamt eine absolut untergeordnete Rolle. Er entwickelt seine ganze Theologie aus dem Bekenntnis, dass der Gekreuzigte auferstanden ist.

Es war offenbar gar nicht so naheliegend, dass Markus sein Werk Evangelium nennt.

Schlüsselstelle Mk 1,14-15: Evangelium mit Anbruch der Herrschaft Gottes verbunden.

Das lässt erahnen, dass Markus sein Evangelium vor einem ganz bestimmten zeitgeschichtlichen Hintergrund verfasst:

Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund erscheinen auch andere Erzählzüge im Evangelium in einem neuen Licht:

Markus setzt also Person und Weg von Vespasian und Jesus zueinander in Beziehung.
Und mit dem Bekenntnis des römischen Hauptmannes unter der Kreuz geschieht eine gewaltige Umwertung:

Der Titel für den mächtigsten Mann, den Ersten - den Kaiser -, wird auf den übertragen, der nach göttlichem Ratschluss als Messias der Letzte von allen wurde und den schändlichen Kreuzestod starb.

So erklärt sich, dass Markus sein Evangelium schon mit diesem Titel des Ersten der damaligen Zeit beginnt:

Bei euch aber soll es anders sein ... (Mk 10,43)

Den Evangelien vom Herrschaftsantritt Vespasians als römischen Kaiser wird im MkEv das Evangelium vom Beginn der Gottesherrschaft, wie es von Jesus proklamiert wird, entgegengesetzt.
Das Du bist gemein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. (Mk 1,11) und Dieser ist mein gelieber Sohn; auf ihn sollt ihr hören! bekommt dadurch eine ganz eigene Note!
Denn: Jesus ist der Erste, der Letzter wurde.
Das ist das Evangelium, das Markus erzählt.
Das ist das Evangelium, auf das zu hören ist, das also - in der Nachfolge Jesu - im eigenen Leben Anwendung finden will.

Anfang des Evangeliums Jesu Christi

Markus beginnt sein Werk nicht mit Evangelium Jesu Christi, sondern stellt noch Anfang davor.

Worauf bezieht sich dieses Wörtchen Anfang?

Anfang - bzw. das griechische Wort, das hier zugrunde liegt - hat einen doppelten Sinn!

Mehr als ein Blick in die Vergangenheit

Was Markus erzählt, hat für die Jünger Jesu zu allen Zeiten und an allen Orten grundlegende Bedeutung; es ist die fundierende Geschichte für alle, die Jesus nachfolgen wollen.



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